Gotthold Högner, der erste evangelische Pfarrer in Berg am Laim
Mit der Ernennung einer eigenständigen Berg am Laimer Kirchengemeinde (die Evangelischen aus Berg am Laim gehörten bis dahin zum Perlacher Pfarrsprengel) wurde der 32-jährige Pfarrer Gotthold Högner am 1. April 1929 hierher versetzt, der davor 3. Pfarrer in Öttingen gewesen war.
Högner war am 13. Mai 1896 in Unterfranken in Oberwaldbehrungen (heute ein Gemeindeteil von Ostheim vor der Rhön) als erstes Kind des Pfarrers Andreas Högner und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Städler zur Welt gekommen. Ein gutes Jahr später wurde dort noch der zweite Sohn Friedrich geboren, der später von 1937-1965 Landeskirchenmusikdirektor in Bayern wurde.
Als erster Berg am Laimer Pfarrer bezog Högner zusammen mit seiner Frau Paula, geb. Fritsche, die er 1924 in Nürnberg geheiratet hatte, die Pfarrwohnung im neu erbauten Gemeindehaus. Im Vorjahr war der Gottesdienstraum im Erdgeschoß eingeweiht worden, der spätere Gemeindesaal. Die Offenbarungskirche wurde erst über 30 Jahre später erbaut.
Während seiner Amtszeit war Högner auch für die Tochtergemeinden Trudering und Haar und die Betreuung der evangelischen Patienten in den Heil- und Pflegeanstalten Haar und Eglfing zuständig. Es gab sicher mehr als genug Arbeit für ihn in diesem großen Gebiet, das er anfangs ganz alleine versorgen musste. An den Sonntagen predigte er abwechselnd an einem Sonntag nacheinander in Haar und Trudering und am anderen Sonntag in Berg am Laim mit anschließendem Kindergottesdienst.
Daneben musste er sich vor allem um die Organisation der neuen Pfarrgemeinde kümmern, angefangen von der Einrichtung eines Kirchenvorstands über die Haushaltsplanung bis hin zur Beschaffung von Büromöbeln, Paramenten und Dienstsiegel. Auch der Schulunterricht an den Grundschulen in Berg am Laim und in Waldtrudering gehörte zu seinen Aufgaben. Wenn man liest, wofür es alles zuständig war, ist es kaum vorstellbar, wie er das alles bewältigen konnte. Erst nach zehn Jahren wurde ihm ein ständiger Vikar zugeteilt.
In der Berg am Laimer Pfarrchronik, die direkt nach Kriegsende verfasst worden ist, steht, dass er während der Nazi-Diktatur auf der Seite der bekennenden Kirche gestanden sei und im sog. Kirchenkampf den Landesbischof Hans Meiser unterstützt habe. Während seiner Tätigkeit als Klinikseelsorger in den Heilanstalten Haar/Eglfing hatte Högner vermutlich auch mitbekommen, dass dort ab 1939 planmäßig Kranke ermordet wurden.
Er nahm bei seinen Predigten kein Blatt vor den Mund und liess sich auch nicht durch die Anwesendheit von Gestapo-Beamten einschüchtern: "...(er) predigte freimütig und offen das Wort der Heiligen Schrift. Er fürchtete sich auch nicht dies zu predigen, wenn seine Predigt durch die Geheimpolizei beobachtet" - so steht es in der Chronik. Einmal sollte er wegen seiner Predigten verhaftet werden, aber es konnte durch beherzte Gemeindemitglieder noch verhindert werden.
Während des Reformationsgottesdienstes 1941 in Trudering brach er zusammen. Vielleicht auch verursacht durch die seelischen Belastungen, die er bei der Seelsorge in den Heilanstalten erfahren musste und durch die jahrelangen extrem hohen Arbeitslast in dem großen Gemeindegebiet?
Er erholte sich jedenfalls davon nicht mehr und starb schon ein Jahr später im Alter von nur 46 Jahren am 23. Oktober 1942 in Nürnberg.